Donnerstag, 30. Mai 2013

BIERVIELFALT // BERLIN

Ok, wenn ich jetzt schreibe: "Berlin ist so toll, bla bla bla..." Dann sage ich zwar die Wahrheit, die ist allerdings sowas von abgedroschen und ohne eine stattliche Begründung ziemlich redundant. Ich komme jedoch nicht drumherum ein Loblied auf diese fantastische Stadt zu singen und habe dazu auch noch einen triftigen Grund und zwar den Grund aller Gründe, nämlich Bier.
Ich spreche von richtigem, kräftig hopfigen Bier. Es darf ruhig eine gute Portion von Aromen ummantelte Bitterkeit mitbringen. Aus geschmacklichen, aber um ehrlich zu sein, doch vor allem aus lokalpatriotischen Gründen habe ich mein Leben lang bevorzugt Flens getrunken. Viele Alternativen hatte ich allerdings auch nicht. Die Biere der großen deutschen Brauereien bestechen primär durch ihre Reinheit oder anders ausgedrückt durch ihre Einfalt.

Seit ich nun in Berlin lebe, eröffnet sich mir eine neue, ungeahnte Biervielfalt. Wie auch beim Kaffee gibt es hier in Berlin eine kleine Bewegung von Pionieren, die sich der Wiederbelebung der Bierkultur verschrieben hat und dem durch die Industrie bedingten Verfall des Geschmacks mit aller Kraft entgegenwirkt. Dabei bewegen sich die Braukünstler meist sogar innerhalb des schwer in die Jahre gekommenen und nicht sonderlich zeitgemäßen Reinheitsgebots und beweisen, dass auch innerhalb dessen vielschichtige Geschmackserlebnisse allein durch die akribische Auswahl der beschränkten Zutaten Malz, Hopfen und Hefe möglich sind. Von sich Reden machen insbesondere die Aromahopfen mit ihren schmucken Namen à la Herkules, Smaragd, Hallertauer Comet oder Taurus.
Einen festen Platz in meinem Bierherzen hat inzwischen das Rollberg. Ob das fruchtige Rote oder das grasig-zitronige Helle - beides hervorragende Berliner Biere. Noch etwas spannender sind die Biere vom Heidenpeter in der Markthalle Neun. Egal ob der Standard, das Pale Ale oder saisonale Attraktionen wie das Winter Ale oder das Maibock nach belgischer Art.
Einziges Problem bei all der erheiternden Bierdiversität ist die Tatsache, dass in Berlin die meisten Mikro-Brauereien nicht in Flaschen abfüllen und der allabendliche heimische Genuss von Hopfen und Malz aus der Flasche doch relativ beschränkt ist. Die Wahl fällt dabei in der letzten Zeit entweder auf Pilsner Urquell oder Schneider Weisse TAP 1.
Aktuell der einzig wahre Hoffnungsschimmer in Sachen Flaschenbier ist der Berlin Bier Shop in Moabit (ok, für den Freund des Online-Handels gibt es auch noch die Bier Post). Dort gibt es Flaschenbiere von kleinen handwerklichen Brauereien aus aller Welt, die das gemeinsame, globale Ziel verfolgen dem Bier seine grandiose, grenzenlosen, gustatorische Diversität zurückzugeben.
Bei meinem ersten Besuch im Berlin Bier Shop habe ich mal eine kleine aber feine Auswahl an IPA's (India Pale Ale) und Pale Ales mitgenommen. In den kommenden Tagen werde ich mich daran machen, die feinen Hopfentropfen mal mit Freunden zu verkosten und anschließend berichten.

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